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George Carwardine – ein Ingenieur als Leuchtendesigner

Der englische Ingenieur George Carwardine (1887-1948) arbeitete ursprünglich für die Automobilindustrie. Er entwickelte und konstruierte Federn und Radaufhängungen. Im Zuge dieser Aufgabe entwickelte er 1932 eine in alle Richtungen bewegliche Feder, die dennoch auch in jeder Stellung verharren konnte. Ihm kam die Idee, diese Erfindung für die Konstruktion einer Arbeitsleuchte zu verwenden und er meldete seine Erfindung im Jahr 1935 zum Patent an. 

Die frei bewegliche Arbeitsleuchte „Anglepoise“

George Carwardines flexibel zu bewegende Leuchte, die den Namen „Anglepoise“ („equipoise“ = Gleich-/Gegengewicht) erhielt, war ein absolutes Novum und leicht an allen Schreib- bzw. Werktischen zu montieren. Das Prinzip der auch unter den Namen „Luxo L1“ oder „L 10“ bekannten Leuchte ist einfach: Es ähnelt der Arbeitsweise der menschlichen Armmuskulatur und arbeitet mit Zug und Gegenzug der Federn. Die Leuchte lässt sich so dreidimensional ausrichten, bleibt aber aufgrund der speziellen Gelenke und Federn an Ort und Stelle montiert. Diesen auf gleichzeitige Stabilität und Beweglichkeit basierenden Mechanismus machte man sich später auch bei der Konstruktion von Spiegeln (z. B. Rasier- oder Kosmetikspiegeln) bzw. Mikrophonen zunutze.

Der Weg zum Ruhm der „Anglepoise“-Leuchte

Carwardine hatte sich den Entwurf seiner Leuchte zwar patentieren lassen, selbst vermarkten wollte er sie offensichtlich nicht. Denn er verkaufte zuerst „Terry & Sons“ in Redditch die Lizenz zur Herstellung und Vermarktung der „Anglepoise 1208“, wie der Prototyp der Leuchte hieß, danach verkaufte er die Lizenz für die anderen europäischen Staaten an den Norweger Jacob Jacobsen. Dieser norwegische Ingenieur konstruierte 1936 die Arbeitsleuchte „Luxo L1“ auf Grundlage der „Anglepoise“-Leuchte. Beide Arbeitsleuchten werden fast unverändert noch hergestellt und erfreuen sich – mittlerweile in vielen Farben und mit Energiesparlampen und LEDs erhältlich – auch heute noch ungebrochener Beliebtheit.

Oscarnominierung für „Luxo L1“

1986 wurde die „Luxo L1“ Gegenstand des animierten Kurzfilms „Luxo Jr.“ (deutscher Titel: „Die kleine Lampe“), der in den zur Walt-Disney-Company gehörenden Pixar-Filmstudios gedreht wurde. Dieser zwei Minuten und 18 Sekunden dauernde Kurzfilm über die Geschichte der kleinen Schreibtischleuchte war für einen Oscar nominiert und begründete den Ruhm der inzwischen weltbekannten Animationsstudios. Die „Luxo L1“ ist heute Bestandteil des Logos dieser Filmstudios und taucht im Vorspann aller Pixar-Filme auf.

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