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Die „Frankfurter Küche“ – Vorläufer der modernen Einbauküche

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war die Küche der hauptsächliche Wohn- und Arbeitsraum in den Behausungen, denn es war oftmals der einzige beheizte Raum. Hier spielte sich das tägliche Familienleben ab. Mit der Entwicklung der Einbauküche wandelte sich dieser Gemeinschaftsraum und wurde vorwiegend zum Arbeitsplatz für die Hausfrau. Die Küchen waren meist lediglich als Arbeitsräume gedacht und entsprechend zweckmäßig eingerichtet. Doch mittlerweile geht der Trend wieder zur Wohnküche, was auch mit den gesellschaftlichen Veränderungen zusammenhängen mag. Hier trifft man sich mit Familie und Freunden, kocht gemeinsam und genießt dann zusammen die zubereiteten Speisen.

Diesem hohen Stellenwert entsprechend, wird die Küchengestaltung sorgfältig geplant, auf dekorative Accessoires sowie eine optimale Lichtplanung wird großer Wert gelegt. Die Küche eines Hauses wird heute meist nach den Bedürfnissen der Bewohner gestaltet, zumindest dann, wenn der Bewohner auch der Eigentümer ist.

Einbauschränke sind bei modernen Küchen eine Selbstverständlichkeit. Das war nicht immer so. Erst 1926 wurde der Entwurf der ersten Einbauküche, der „Frankfurter Küche“, der Wienerin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) vorgestellt.

Entwicklung der „Frankfurter Küche“ – Entlastung für die berufstätige Frau

Margarete Schütte-Lihotzky hatte sich schon zu ihrer Studienzeit für die Wohnverhältnisse der Wiener Arbeiterfamilien interessiert und entwarf als junge Architektin die sogenannten „Siedlerhütten“ – selbstständig aufzubauende Ein-Zimmer-Wohnungen mit zusammenklappbaren Möbeln.

Der Frankfurter Siedlungsdezernent und Stadtplaner Ernst May wurde auf Margarete Schütte-Lihotzky aufmerksam. Er beschäftigte sich, wie viele andere Architekten in jenen Jahren, mit Rationalisierungsmöglichkeiten im Haushalt. Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) und in den Nachkriegsjahren hatten viele Frauen einer Beschäftigung nachgehen müssen, und die Zahl der berufstätigen Frauen stieg nun immer weiter an. Die Hausarbeit sollte dabei nicht vernachlässigt werden und musste rationeller erledigt werden können.

Er holte die junge Architektin nach Frankfurt am Main und gab ihr den Auftrag zur Planung einer Küche. Auf kleinstem Raum sollte sie untergebracht werden können und preiswert sollte sie sein. Die „Frankfurter Küche“ war geboren: mit gerade mal 1,90 x 3,40 Meter Platzbedarf, mit einer an die Körpergröße angepassten Arbeitsplatte, einem hochklappbaren Bügelbrett und natürlich mit Einbauschränken in unmittelbarer Reichweite. In der Nachkriegszeit wurden zur Behebung des herrschenden Wohnungsmangels Wohnsiedlungen für Arbeiterfamilien gebaut. Die „Frankfurter Küche“ wurde in der Zeit von 1926-1932 ca. 10.000- bis 15.000-mal im Rahmen des Städtebauprojekts „Das neue Frankfurt“ verbaut und so zum Vorbild für die modernen Küchen.

„Die Frankfurter Küche“ ist als Nachbau im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK) zu bewundern.

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